Volker&Esmeralda Mulle&Hidalgo
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Alexandria-Frankfurt: Absurdistan setzt sich fort

Am Mittwoch mittag, wo wir eigentlich die abgestempelten Carnets schon in der Hand halten wollten, bekommen wir vom Fixer die Info, dass die Carnets nur abgestempelt werden können, wenn wir mit einer Ägypterin verheiratet sind und mindestens ein Jahr in Ägypten leben. Kleiner Scherz vom Fixer, aber dummerweise trauen wir dem ägyptischen Zoll mittlerweile alles zu. Selbst eine derartig absurde Regelung liegt nicht im Bereich des Unwahrscheinlichen. Zum Glück klärt der Fixer, Mr. Mostafa, das dann auf, wir bekommen am Nachmittag die Carnets inklusive Stempel ausgehändigt.

Kurze Erklärung zu den Carnets: Für diese Carnets de Passages hinterlegt man beim ADAC €3000, die sind praktisch die Garantie, dass man das Fahrzeug nicht in dem Reiseland verkauft. Beim Einreisen bekommt man einen Stempel rein und bei der Ausreise einen weiteren. Nur wenn man beide hat, kann man das Carnet zurückgeben und kriegt sein Geld wieder. Ausserdem dient das Carnet bei der Ausreise ohne Motorrad als Nachweis, dass man das Motorrad ordnungsgemäß wieder ausgeführt hat, man muss es nicht dabei haben.

Wir sind also glücklich, buchen direkt den nächsten Flug nach Frankfurt, 00:45 von Alex nach Cairo und dann mit Lufthansa weiter. Packen noch kurz unseren Kram und ab ins Taxi. Im Flughafen von Alexandria suchen wir auf den Departure-Monitoren dann verzweifelt nach unserem Flug, er wird nirgendwo angezeigt. Nachfrage bei verschiedenen Personen ergibt, dass wir hier richtig sind und uns an Schalter 6 anstellen sollen. Im Gegensatz zu den anderen Schaltern steht auf dem Monitor darüber bei diesem Schalter nix. Aber der Mensch dahinter kann was mit unseren Pässen anfangen und stellt uns Bordkarten aus, sagt uns noch, dass wir bei Gate 2 warten sollen, auf den Departure Monitoren wird noch immer unser Flug nicht angezeigt. Also hoch, fragen, wo Gate 2 ist. Naja, hinter der Immigration natürlich. Immigration schickt uns gleich wieder zurück, der Flug ist ja ein Inlandsflug, also andere Seite. Dort ist der Security-Check verwaist, wir gehen einfach durch, die 1,5l Wasserflasche kommt auch mit durch. Nicht nur der Security Check ist verwaist, die ganze Abflughalle für die Inlandsflüge ist leer. Und unser Flug wird noch immer nicht auf den Departure Monitoren angezeigt, scheint ein Geisterflug zu sein. Wenn wir mit KLM fliegen würden, könnte man sich den Seitenhieb auf den „Fliegenden Holländer“ nicht verkneifen, wir fliegen aber mit Egypt Air, hoffentlich nicht auf einem fliegenden Teppich (okay, der war flach).

Der Flug war angenehm leer (30 Fluggäste auf 160 Plätze). Wie es sich gehört, ist er aber mit 30min Verspätung gestartet und (gefühlt) auch schon gleich wieder gelandet. Transfer zum Anschlußflug ging auch Zack-Zack, ein letztes Mal musste aber die absurde Seite herausgekehrt werden: Beim Einchecken in Alexandria haben wir Ausreisekarten zum Ausfüllen und Vorlegen bei der Immigration bekommen, schön mit Egyptair-Logo. Die haben wir natürlich auch schön ausgefüllt, waren aber dort ja nicht bei der Immigration. Nun haben wir beim Lufthansa-Check-In für den Anschlußflug neue Karten bekommen, genau die gleichen Teile, nur mit Lufthansa-Logo, sonst vom Layout absolut identisch. Wir sagen also: „Haben wir schon, fertig ausgefüllt.“ Da bekommen wir die Egyptair-Teile weggenommen und müssen die Lufthansa-Teile komplett neu ausfüllen, also alles noch mal. Aber zum Glück war dies das letzte Mal, ab in den Flieger und ab nach Frankfurt.

Fazit

Nach so einer Tour ein Fazit zu ziehen, ist natürlich schwierig. Viele Eindrücke, viele Sachen, die passiert sind, viele Leute, die man kennengelernt hat. Wir reihen hier einfach mal ein paar Punkte auf, die uns aufgefallen sind:

  • Afrika ist modern geworden, jeder hat ein Handy, fast überall gibt es Internet, Geldautomaten stehen in jeder etwas größeren Stadt

  • Das typische Afrikabild „Hunger, Kriege, Krankheiten“ ist sowas von falsch, ebenso wie „Wildnis, Abenteuer, Wüste“. Wir haben keine hungernden Kinder gesehen, wir haben keine kriegerischen Aktivitäten auch nur im Ansatz mitbekommen und krank sind wir auch nicht geworden. Löwen laufen hier nicht auf der Straße herum, ebensowenig kleiden sich die meisten Afrikaner traditionell. Die es tun, tun es bewußt.

  • Afrikaner lachen und lächeln mehr als Deutsche.

  • Das große Abenteuer ist eine Transafrika-Reise nur noch bedingt. Straßenmäßig kann man fast überall auf Teer fahren, wir haben Leute getroffen, die problemlos mit mäßigen Englischkenntnissen diesen Kontinent mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder als Tramper durchquert haben.

  • Es gibt hier einen immensen Unterschied zwischen arm und reich. Aber es gibt auch eine (anscheinend wachsende) Mittelklasse.

  • Stammesdenken ist durchaus noch verbreitet in Afrika, wobei das von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

  • Wenn man von Afrika allgemein oder gar von dem „Land Afrika“ spricht, verallgemeinert man zu sehr. Die Unterschiede sind immens zwischen den Ländern und teilweise auch schon zwischen den einzelnen Regionen eines Landes.

  • Landschaftlich haben wir (fast) alles gesehen, vom grünen Hochland bis zur Sandwüste, vom Buschland bis zu Reisfeldern. Nur den Dschungel haben wir nicht gesehen.

  • Sanitärinstallationen sind praktisch überall in Afrika weit unter deutschem Standard, heißes Duschwasser ist ein rares Gut

  • Wenn man Kairo umfahren, umschiffen, bombardieren oder überfliegen kann, sollte man das tun

  • Wenn man den ägyptischen Zoll auslöschen kann, sollte man das ebenfalls tun
  • Die Ägypter sind deutlich entspannter und freundlicher als gedacht

 

20.2.14 11:38


19.2.14 19:14


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